Im Land der aufgehenden Sonne - Marina Reinhardt - 27. Hamburger Kirschblütenprinzessin

27. Kirschblütenprinzessin Marina Reinhardt im Land der aufgehenden Sonne

21./22. März 2012.

Nun war es also so weit: Nach vielen Wochen des Planens war der Tag der Abreise nach Tokyo gekommen. Meine Aufregung hatte ihr Maximum erreicht und die Frage, ob ich auch wirklich in Tokyo abgeholt werde, ließ sie noch steigen.
Im Flugzeug nach Frankfurt bekam ich einen Vorgeschmack auf Japan und die fremde Sprache, da außer mir eigentlich nur Japaner an Bord waren.
Nach einem schier endlosen Flug befanden wir uns gegen 16 Uhr Ortszeit endlich im Landeanflug auf Tokyo. Als wir schließlich gelandet waren, ratterten die Stewardessen auf japanisch und englisch die Standard Verabschiedung herunter. Dann kam die deutsche Ansage, die mich wirklich zum Lachen brachte und mir die Anspannung und Aufregung komplett nahm. Statt dem schon hundertmal gehörten "und wir wünschen Ihnen einen angenehmen Aufenthalt etc." kam ein "Möge die Macht mit Ihnen sein!". Für mich als einen Liebhaber der alten Star Wars Filme eine wunderbare Veränderung der Standardworte.
Beschwingt verliess ich also das Flugzeug, passierte die Einreise und den Zoll, wo sich der Zollbeamte überschwänglich freute die Kirschblütenprinzessin vor sich zu haben. Ich trat in die Empfangshalle.
Überall Menschen! Eng an eng! Viele mit Schildern, nur keines mit meinem Namen.
Nachdem ich mich noch ein zweites Mal mit meinem Gepäck durch die Menge gekämpft hatte war klar: noch ist niemand da.
Im ersten Moment ergriff mich leichte Panik, doch dann dachte ich an die Worte des Steward und schaute mich nach einem Informationsstand um.
Gerade als ich Ikeda-San ausrufen lassen wollte, mit der ich schon per Email Kontakt gehabt hatte, sprach mich von hinten eine leicht um Atem ringende Japanerin mit meinem Namen an.
Wir hatten uns also doch noch gefunden.
Zusammen mit Ikeda-San machte ich mich auf zu unserem Flieger nach Osaka.
Gegen 21 Uhr Ortszeit kamen wir endlich an unserem Hotel an und ich bestellte mein erstes japanisches Essen für diese Reise: Onigiri mit Lachs.

23. März 2012


Am nächsten Tag ging es morgens gleich los zu Sharp zusammen mit Frau Kühl (Senatskanzlei Hamburg) und Herrn Zerling (HWF).
An dieses Treffen werde ich mich wohl für immer mit einem Schmunzeln erinnern müssen. Nachdem wir zahlreiche Informationen über die Geschichte des Unternehmens erfahren hatten. erzähltem die drei anwesenden Vertreter von Sharp über ihre Besuche der Stadt Hamburg. Alle drei meinten, dass Ihnen Hamburg sehr gut gefallen habe. Nur ein Problem hatten sie: das Hotel neben dem Sharp Gebäude. In diesem würde es wohl Geister geben, weswegen sie nicht gerne dort übernachteten. Wenn man abends nämlich dorthin zurückkam, hörte man Geräusche, die man sich nicht erklären konnte. Es war nun doch recht amüsant zwei gestandene Männer über Geister reden zu hören und machte sie noch sympathischer. Der zweite Termin an diesem Tag war bei Panasonic. Ich bin noch immer schwer beeindruckt von dem Panasonic Center. Jedem, der nach Osaka fährt, rate ich es einmal zu besuchen und sich die "eco ideas" for Lifestyle Ausstellung anzusehen und an einer Führung teilzunehmen. Alle Ideen für alternative Energiegewinnung und Nutzung sind selbst für Laien so dargestellt, dass es verständlich und interessant ist.

24. März 2012


Am nächsten Tag stand zusammen mit dem Vize Bürgermeister von Osaka und dem Vize Gouverneur die Eröffnung der Flusssaison auf einem Boot statt. Während der Zeremonie sollten wir gemeinschaftlich einen Schlüssel in den Fluss werfen um ihn symbolisch „aufzuschliessen“.
Diese war feucht-fröhlich. Nicht im Sinne von Alkohol, nein, inmitten der Zeremonie begann es heftig zu regnen und zu stürmen, was es doch recht unangenehm machte. Für mich persönlich war es dennoch sehr schön, da meine Gastschwester Kana extra aus Yokohama angereist war um zuzusehen.
Nachdem wir uns im Hotel kurz aufgewärmt hatten, ging es auch schon weiter zur Dotonbori Straße, die sich neben dem Dotonbori Kanal befindet und wohl die bekannteste Einkaufsstraße Osakas ist. Besonders bekannt ist sie wohl auch aufgrund der riesigen Werbetafel mit dem Glico Man.
Zwei Herren der Dotonbori Straße, die uns ein wenig herum geführt hatten, waren sehr nett, nur mussten wir ständig anhalten. Da an diesem Tag ein Feiertag war, waren viele Menschen unterwegs und häufig kam die Frage auf, wer das ausländische Mädchen mit der Krone auf dem Kopf nun sei. Schon etwas seltsam von fremden Menschen nach einem Foto gefragt zu werden! Während der Reise habe ich mich auch mehrfach, zusammen mit der neu gewählten Königin, gefragt, wie viele Bilder wohl pro Amtszeit einer Prinzessin/ Königin zusammenkommen.
Einer der beiden Herren hatte auch wieder eine lustige Geschichte auf Lager die mit der Dotonbori Straße zu tun hatte, einer Kentucky Fried Chicken Filiale und dem Baseballteam Osakas, den Hanshin Tigers. Solche lokalen Geschichten zu hören, die man nicht unbedingt kennt, finde ich immer wieder schön. (Wer dieses Geschichte genau wissen möchte, kann bei google nach „Curse of the Colonel“ suchen :) )

Gemeinsam machten wir uns dann auf eine kurze Reise zum Probenraum des OSK Review Theaters. Die Mitglieder des OSK Review Theaters sind ausschließlich weiblich und einige übernehmen die Rollen der Männer. Wir waren zu einer Probe der „Männer“ für ihr neues Musical eingeladen und durften einige Zeit zuschauen. Da ich selber einige Zeit getanzt habe, hat mir der Termin viel Freunde bereitet und am liebsten hätte ich an der Probe aktiv teilgenommen. In einem langem Kleid war es nur leider nicht wirklich möglich. Ein kleines „Tänzchen“ habe ich dennoch mit dem „Hauptdarsteller“ hingelegt.

An unserem letzten Abend war unsere kleine Gruppe zu einem Abendessen mit der Japanisch Deutschen Gesellschaft von Osaka eingeladen, in einem Restaurant, das wirklich einen schönen Ausblick auf das Schloss von Osaka hatte. Dieses habe ich leider nur von weitem gesehen, aufgrund des schlechten Wetters, das wir in Osaka hatten.

Der Abend war ein gelungener Ausklang für Osaka, da wir wirklich sehr freundlich aufgenommen worden sind und es sehr nett war, wie alle sich bemüht haben deutsch zu sprechen, auch wenn es nur ein paar Wörter waren.

25. März 2012


An diesem Morgen ging es dann weiter nach Tokyo, wo wir im Hotel Hashimaru-San trafen, die ich seit meiner Abreise in Hamburg noch nicht gesehen hatte.
Abends haben Hashimaru-San und ich gemeinschaftlich mit Hasumi-San, seiner Frau und Tamagaki-San gegessen und besprochen, was für die nächsten Tage geplant war. Im Laufe dieses Abends bekam ich auch zum ersten Mal den Kimono gezeigt, der wirklich wunderschön ist.

26. März 2012


Für den ersten Tag in Tokyo stand eine Veranstaltung der Cherry Blossom Association, das 47. Kirschblüten Festival, auf dem Terminplan. Im Verlauf dieser Veranstaltung bekamen Hashimaru-San und ich je eine Urkunde überreicht. Gemeinsam pflanzten wir dann mit den zwei neu gewählten Königinnen, Prinzessinen und den internationalen Prinzessin einen Kirschbaum ein. Im Anschluss daran gab es einen Empfang mit Bento und Sake. Dieses Mal durfte ich auch das Fass mit „öffnen“ und dann den Sake verteilen.
Statt mich danach auch zu setzen und zu essen, ließ ich mir zur Überraschung den Kimono anziehen um ihn vorzuführen und mich erneut zu bedanken für dieses Geschenk. Ich muss meiner Vorgängerin Annika hier einmal für den Tipp mit dem tief Einatmen danken. Wenn man zum ersten Mal einen Kimono anzieht, kommt man sich schon ein wenig vor wie eine Sushirolle. Das erste Gehen war dementsprechend auch eine Erfahrung. Ich hatte ja schon bei Annika und den Japanerinnen gesehen, dass nur wirklich kleine Schritte möglich sind. Aber dann selbst so zu „tippeln“, muss schon geübt werden. Dennoch habe ich es ohne zu stolpern wieder in den Hauptraum geschafft, wo alle sofort noch einmal Fotos machen mussten.
Dass einige Leute sogar ein Autogramm von mir wollten, war auch eine sonderbare Erfahrung und ich glaube, ich habe beim ersten mehrfach ungläubig nachgefragt, ob ich ihn auch richtig verstanden habe. Nachdem wir recht früh wieder im Hotel angekommen waren, entschlossen Frau Kühl und ich uns, ein wenig Tokyo zu erkunden. Wir besuchten den Meiji Schrein, wo ich mir wieder einmal einen Glücksbringer (Omamori) kaufte, der mir tatsächlich auf der restlichen Reise viel Glück brachte.

27. März 2012


Der zweite Tag in Tokyo begann für mich sozusagen mit einem Heimspiel: Besuch der Deutschen Botschaft zusammen mit der neuen Kirschblütenkönigin Tamagawa-San. Endlich ein Termin, bei dem ich keinen Dolmetscher benötigte. Das war zur Abwechslung auch einmal ganz angenehm, obwohl ich mich mittlerweile daran gewöhnt hatte. Der Garten, der an die Botschaft grenzte, war wirklich schön und sehr japanisch. Im Garten gab es viele schöne Plätze, an denen man Fotos machen konnte. Diese musste man allerdings erstmal erreichen, was im langen Abendkleid und Kimono nicht gerade sonderlich einfach.
Nach einer kleinen Stärkung machten wir uns dann auf dem Weg nach Ginza zu Mikimoto. Die Perlenfirma, die die Krone für die Kirschblütenprinzessinnen und Kirschblütenköniginnen herstellt. Wir bedankten uns noch einmal für die jahrelange Unterstützung.
Dort bekamen wir sehr ausführlich erklärt, wie man Perlen nun genau züchtet und wie viel Arbeit wirklich darin steckt, eine einzelne Perlenkette zu fertigen. Welche Perlen man nicht züchten kann, wurde uns auch gezeigt. Natürlich sind es gerade jene gewesen, die mir farblich zusagten. Vielleicht werde ich ja einmal genug Geld haben, um mir so eine Kette zu leisten. Dann weiß ich genau wo ich hin muss.
Von Mikimoto ging es dann weiter zum Außenministerium um den Vize Außenminister zu treffen. Wie eigentlich alle die ich auf meiner Reise getroffen habe, war auch er ein sehr netter Mann, mit dem man sich nett unterhalten konnte.
Als wir aufbrachen Richtung Hotel und den Flur zum Fahrstuhl hinunter gingen, wirkte mein frisch erstandenes Omamori zum ersten Mal. Der Außenminister kam gerade von seinen Terminen wieder und nahm sich auch noch einige Momente Zeit für uns.

28.März 2012

Auch am nächsten Tag sollte das Omamori wieder Glück bringen, denn wir trafen tatsächlich den Premierminister Noda-San.
Zunächst besuchten wir jedoch den Vorsitzender der Japan Cherry Blossom Association um uns erneut für die Unterstützung und Zusammenarbeit zu bedanken, ohne die die ganze Reise sicher nicht möglich gewesen wäre.

Nun also zu einem der Highlights meiner Reise: das Treffen mit Premierminister Noda-San.
Bis kurz vorher war nicht klar, ob wir ihn wirklich treffen können und ehrlich gesagt, glaubte ich schon nicht mehr, dass es wirklich klappt. Zunächst unterhielten wir uns mit dem Regierungssprecher und ich wunderte mich schon ein wenig darüber, dass neben mir noch ein Platz frei war. Als ich mich schon fragte, ob wir nun „Mein linker linker Platz ist frei“ spielen würden, ging mit einem Schwung die Flügeltür auf und leicht nervös wirkende Männer in Schwarz betraten den Raum. Ich bekam für einen Moment das Gefühl in einem dieser klischeehaften Aktionfilmen zu seinen, bevor ich sah, wer da gerade noch den Raum betreten hatte. Noda-San sieht in Wirklichkeit genau so aus, wie auf den Bildern, die ich von ihm gesehen hatte. Im Laufe der Begegnung wurde ich gebeten ein paar Worte auf japanisch zu sagten. Man fragt sich dann immer was man eigentlich sagen soll und alles was man weiß ist wie weggeblasen. Trotz der Aufregung fielen mir dann einige Worte ein, über die er sich sehr freute.
Nach diesem aufregendem Erlebnis fuhren wir weiter zu Fuji Film. Als erstes schauten wir uns eine Fotoausstellung an und gingen dann zu unserem Termin mit dem Präsidenten von Fuji Film, der ist auch Vorsitzender des Japanisch Deutschen Vereins ist und auch etwas deutsch spricht.
Anschließend fuhren wir nach einer kurzen Pause zu Japan Airlines um auch hier einmal herzlich Danke zu sagen für die jahrelange Unterstützung durch Japan Airlines.
Am Abend war dann auch meine Willkommensfeier. Es waren viele ehemalige Königinnen anwesend und es war nur eine kleine Runde, was ich immer ein wenig netter und persönlicher finde, weil man sich so ausführlicher unterhalten kann. Ich fand es sehr spannend zu erfahren, was einige der ehemaligen Königinnen nun machen und was sie meinen, dass ihnen das Amt gebracht hat. Gegen Ende des Abends konnte ich dann auch einmal sehen, wie es aussieht, wenn mehrere Japanerinnen gleichzeitig einer Japanerin einen Kimono anziehen wollen. Ich muss schon sagen, die neue Königin hat viel Geduld. An und aus und wieder an und aus! Für einen Außenstehenden nett anzuschauen, wenn man selber wie einen Puppe dort steht wohl eher weniger.

29. März 2012


Donnerstag hatte ich einen freien Tag an dem ich mich mit einer Freundin getroffen habe, die ich seit sie vor 3 Jahren nach Tokyo gezogen ist nicht mehr gesehen hatte. Zusammen sind wir abends noch in einen Club gegangen, wo ich meinen Lieblingskünstler Masaaki Yaguchi alias Miya, getroffen habe. Dem Omamori sei es gedankt.

30. März 2012


Freitag war der letzte offizielle Tag meiner Reise. Die Zeit verging doch schneller, als man gedacht hatte, aber so ist es nun mal, wenn man viel zu tun hat.
Gegen Mittag fuhren wir zu Mitsubishi Heavy Industries nach Yokohama. Wir besichtigten dort das angeschlossene Museum, in dem man auch einen simulierten Hubschrauberflug machen konnte. Natürlich war ich der Kapitän und Herr Zerling fungierte als mein Co-Pilot. Ich denke, wir sind sehr gut geflogen, nur an der Landung sollten wir wirklich nach arbeiten. Wunderbare null Punkte haben wir damit erzielt und somit keinen Flugschein bekommen. Nun weiß ich immerhin, dass ich keine Hubschrauberpilotin werden sollte. Bei unser Rückkehr zum Hauptgebäude wartete schon ein Mitarbeiter der Stadt Yokohama auf uns, um uns zum Rathaus zu fahren. Der Empfang im Rathaus von Yokohama war eindeutig der faszinierendste. Um zum Büro der Bürgermeisterin zu gelangen, mussten wir eine Treppe hochgehen und auf einmal erklang tosender Applaus. Oben an der Treppe warteten ca. 30 Menschen klatschend auf uns. Zum ersten Mal traf ich in Japan eine Frau in einer hohen Position, was auch sehr angenehm war, besonders weil sie wirklich eine liebe Frau ist mit viel Interesse für Deutschland.
Meine letzte Einladung führte uns am Abend zu der Welcome Party der Alster-Kai. Es ist schon erstaunlich wie groß das gegenseitige Interesse von Japaneren an allem Deutschen und umgekehrt ist. In Gesprächen erfuhr ich, dass viel Japaner in ihrer Hamburger Zeit ganz in der Nähe meines Studentenwohnheims gewohnt hatten.

31. März 2012


Am Samstag danach wollte ich eigentlich endlich wieder einmal Tokyo erkunden. Doch aufgrund heftiger Regenschauder und Sturm, brach ich dies nach kurzer Zeit wieder ab, um mich dann am Abend klassisch mit meiner Freundin, ihrem Mann und einem Bekannten zu einer Nabe Party zu treffen. Genau das Richtige bei einem solchem „Schietwetter“.

1. - 5. April 2012

Von Sonntag bis Donnerstag besuchte ich eine Brieffreundin aus Amerika, die nun in Süd-Korea lebte. Bevor ich die Wahl zur Kirschblütenprinzessin gewonnen hatte, hatte ich ihr versprochen, sie im März oder April zu besuchen.

6. - 8. April 2012


Die letzten Tage in Japan verbrachte ich bei meiner Gastfamilie Ase in Yokohama. Mein Gastvater hatte sich sehr gut informiert und zeigte mir viele Orte, an denen in Yokohama frühere Kirschblütenprinzessinnen aus Hamburg schon gewesen waren.

Abschließend kann ich nur sagen, dass diese Reise wirklich viele schöne Erinnerungen in meinem Herzen hinterlassen hat. Viele interessante Menschen habe ich kennengelernt, einige neue Freunde habe ich gewonnen und auch viele Erfahrung für mein weiteres Leben gesammelt, die mir niemand mehr nehmen kann.

Ich möchte mich nun auch noch einmal herzlich bei allen bedanken, die mich vor und während meiner Reise so tatkräftig unterstützt haben. Ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen. Insbesondere möchte ich mich bei Hashimaru-San dafür bedanken, dass sie immer für mich erreichbar war und mir bei allem geholfen hat.

Über Schluchten und Brücken- Annika Schulze - 26. Hamburger Kirschblütenprinzessin

Über Schluchten und Brücken

Annika Schulze_Herbst 2009

Liebe Leserinnen und Leser - ich freue mich, nicht nur als 26. Kirschblütenprinzessin Hamburgs, sondern auch als Annika Schulze, derzeitige Studentin der Tokyo Daigaku, Department of Architecture, einige Grußworte an Sie richten zu dürfen.
 
Seit dem 01.10.2009 wohne ich nun in Tokyo, wo ich bis Ende Februar mein Auslandssemester absolviere. Damit ist einer meiner größten Träume wahr geworden. Das Ankommen am Ende dieses Weges erforderte einigen Mut zur Desillusionierung: Erwartet mich am Ziel auch wirklich die Situation, die ich mir seit Jahren versuchte auszumalen? Diese Frage möchte ich mit Schilderungen meiner bisherigen Eindrücke beantworten, die für mich verschiedene Zustände eines „Zwischen“ bedeuten. Zwischen zwei Ländern und Kulturen.

In London Heathrow musste ich auf dem Weg nach Japan umsteigen, und schon dort schien es mir, als sei ich bereits in Tokyo
angekommen: Unter den Passagieren war ich alleine unter vielen japanischen Reisenden. Der britische Steward im Flugzeug wiederum sprach fließend Japanisch und in Tokyo angekommen sah ich ein Werbeplakat für die Feier des Oktoberfestes. - Wo bin ich? Es heißt, dass, wenn man zu schnell reist, die Seele nicht mitkommen kann. Man kann sagen, dass es mir in den ersten Tagen hier so ähnlich ergangen ist. Inzwischen bin ich jedoch wirklich vollständig angekommen. Das ist vor allem der Gastfreundschaft der Japaner zu verdanken, die ich bereits unzählige Male erlebt habe. Nicht einsam zu sein - das ist meiner Meinung nach der wichtigste Aspekt dafür, um sich in der Fremde zu Hause fühlen zu können. Zwischen Alltag und Erlebnis.

Da ich in Tokyo hauptsächlich studiere, gilt es natürlich, für die Universität unheimlich viel Leistung zu erbringen. Andererseits scheint es mir, als sei ich eine Langzeit-Touristin. Ich weiß die Zeit, die ich hier verbringe, sehr zu schätzen und genieße jede noch so stressige Minute, weshalb das Studium hier einen besonderen Stellenwert einnimmt, welcher nicht mit dem üblichen
Alltag zu vergleichen ist. Natürlich habe ich mir auch die Zeit genommen, einige Seiten Tokyos aus wahrlich touristischer Perspektive kennenzulernen. So war ich am Kaiserpalast, im Tokyo International Forum, im Getümmel Shibuyas und beim Meiji Schrein im Yoyogi Park. Die Tatsache, dass ich im Prinzip direkt neben Kenzo Tanges Werk des Fuji Television Buildings wohne, lässt mein Architektenherz auch gleich höher schlagen! Zwischen Studentin und Prinzessin.

An der Universität weiß niemand von meinem Amt der Kirschblütenprinzessin. Dabei wäre ich wohl nie auf die Idee gekommen, mich um dieses Amt zu bewerben, wenn ich nicht der Deutsch-Japanischen Gesellschaft zu Hamburg beigetreten wäre - ursprünglich aus dem Grunde, mich möglichst gut auf mein Studium in Japan vorzubereiten. Nun ist mein Traum also doppelt in Erfüllung gegangen. Die anstehende Amtsantrittsreise im März 2010 konnte ich bereits auch schon ein Stück weit einläuten: Im Oktober 2009 war ich beim 9. German Speech Contest sowie auf einem Konzert des International Joint Concert Organizing Committees in Osaka anwesend und konnte mich dort als neue Kirschblütenprinzessin vorstellen. Diese beiden Events haben auf verschiedene Weisen gezeigt, wie Brücken des Zwischen errichtet werden können. Auf dem Redewettbewerb hat nicht nur die Mühe und die Leidenschaft aller Kandidaten, sondern auch ihre vorgestellten Inhalte, wie z.B. Vorurteile, Höflichkeit und interkulturelle Erfahrungen die Zuschauer beider Nationen erfreut und zum Nachdenken angeregt. Das Konzert wiederum war ein wunderbares Beispiel dafür, dass Musik eine Sprache ist, die über alle Grenzen hinausgeht.

Letztenendes ist man selbst die Brücke, die ihren Bogen über das Zwischen spannt: Mit Interesse und Offenheit wandelt sich die Leere zur Fülle, und scheinbar unvereinbare Widersprüche zu einer bereichernden Vielfalt. Daran denke ich gelegentlich, wenn ich auf dem Uni Campus bei Starbucks einen Matcha Frappuccino trinke.


Zwischen Prinzessin und Sonderbotschafterin - Meike Tachlinski - Erfahrungsbericht der 23. Hamburger Kirschblütenprinzessin

Zwischen Prinzessin und Sonderbotschafterin - Erfahrungsbericht der 23. Hamburger Kirschblütenprinzessin

(Von Meike Tachlinski)

Oft werde ich gefragt, was das Amt der Kirschblütenprinzessin überhaupt bedeutet und warum ich diese Aufgabe ausübe? Viele wissen zwar, dass die Kirschblüte für Japaner der Inbegriff von Schönheit und Vollkommenheit darstellt und die Zeit der "Hanami" in Japan fast einem Mythos gleicht: Doch was kann da die Aufgabe einer Kirschblütenprinzessin sein? In meiner bisher einjährigen Amtszeit konnte ich persönlich viel über die Beziehungen zwischen Hamburg und Nippon auf kultureller, politischer und wirtschaftlicher Ebene erfahren und hoffentlich selber schon meinen kleinen Beitrag für die wachsende Zusammengehörigkeit beider Nationen leisten: Der Höhepunkt war jedoch meine dreiwöchigen Japan-Reise vom 17. März bis 9. April 2004 und insbesondere hier wurde mir die Bedeutung und Wichtigkeit meiner ehrenvollen Aufgabe als Kirschblütenprinzessin und damit als Sonderbotschafterin der Stadt Hamburg bewusst: Nicht nur die Übergabe der offiziellen Grußbotschaften unseres 1. Bürgermeisters Ole von Beust und unseres Wirtschaftssenators Gunnar Uldall unter anderem an den Japanischen Premierminister Junichiro Koizumi, die Präsidenten des Oberhauses und des Unterhauses, die Bürgermeister der Städte Osaka, Yokohama, Hamamatsu und Komoro, sowie an die Geschäftsführer der erfolgreichen Unternehmen Olympus, Casio und Yamaha gehörte zu meinen Aufgaben vor Ort. Vielmehr konnte ich in vielen persönlichen Gesprächen -aber auch im Rahmen von zahlreichen Interviews über die japanischen Medien- über unsere Stadt als interessanten Wirtschaftsstandort und spannendes Tourismusziel berichten. Bei zahlreichen Veranstaltungen wie beispielsweise der Osaka-Hamburg Städtepartnerschaft Association, der Japanisch-Deutschen Gesellschaft in Hamamatsu, der Cherry Blossom Association in Tokyo oder des Vereins "Alster-Kai", konnte ich unsere Stadt repräsentieren und über politische und wirtschaftliche Beziehungen hinaus, die besondere Verbundenheit zwischen Hamburg und Japan demonstrieren. Ich bin mir sicher, dass ich mit meinem Aufenthalt in Japan, die langjährigen freundschaftlichen Beziehungen zwischen Hamburg und Japan noch weiter festigen und vertiefen konnte. Aber auch für mich persönlich habe ich sehr von meinem damit bereits zweiten Aufenthalt in Japan profitieren können: Außer der Möglichkeit, so viele spannende Menschen und Orte kennenzulernen, hat mir meine Reise wieder eindeutig gezeigt, dass ich mich noch intensiver mit Japan als Land, der Kultur und den Menschen beschäftigen will. Ich freue mich daher sehr, noch ein weiteres Jahr mein Amt der Kirschblütenprinzessin ausüben zu dürfen und würde mich freuen, Ihnen vielleicht bei der nächsten Gelegenheit persönlich noch intensiver über meine Erfahrungen und Erlebnisse berichten zu dürfen!

Wichtig: Offenheit und Neugier gegenüber Unbekanntem

Ein Meer von rosafarbenden und weißen Blüten in allen Parks, an vielen Straßen in und um Tokio, tausende von Menschen-Grüppchen auf Decken unter den blühenden Bäumen und insbesondere tagsüber Künstler über Künstler, die diese Pracht mit dem Pinsel auf ihrer Staffelei oder mit ihrer Kamera festhalten: das war mein erster Eindruck der japanischen Kirschblüte! Es war einer der Höhepunkte meines halbjährigen Aufenthalts von Oktober 2002 bis Anfang April 2003 in Japan. Die ganzen sechs Monate wartete ich auf den Zauber Kirschblüte und hoffte, dieses atemberaubende Ereignis noch vor meiner Abreise zurück nach Hamburg erleben zu dürfen. Denn während meines gesamten Aufenthaltes erfuhr ich nach und nach mehr von diesem "Mythos"- ob von japanischen Bekannten und Freunden oder in meinem japanischen Sprachunterricht- immer wieder wurde mir berichtet, wie einmalig und schön die Kirschblüte sei. Rund eine Woche vor meiner Ausreise begann dann die wohl faszinierendste "Jahreszeit" in Nipppon und ich nahm diese wunderbaren Eindrücke mit zurück nach Hamburg. Doch nicht nur die Pracht der Kirschblüte, sondern meine ganze Zeit im Japan war für mich ein ganz besonderes Erlebnis. Ich wusste, dass diese sechs Monate im Rahmen eines Stipendiums der InWent GmbH (ehemals Carl Duisberg Gesellschaft) nicht mein einziger Berührungspunkt mit dem Land der aufgehenden Sonne sein sollten. Ich wollte mich weiter mit dem Land, den Menschen und der Sprache beschäftigen. Ich wusste jedoch damals noch nicht, wie schnell ich meine Erinnerungen auch hier weiterleben durfte ! Nur einige Tage nach meiner Rückkehr in Deutschland erfuhr ich von der Wahl zur Kirschblütenprinzessin 2003 und damit zur Sonderbotschafterin Hamburgs in Japan. Die Aufgabe für zwei Jahre meine Heimatstadt in Japan zu repräsentieren, in engen Kontakt zu Japan-Interessierten und natürlich auch zu japanischen Bürgern zu stehen und meine Erfahrungen mit Land und Leuten auch hier in Hamburg zu intensiveren- schien mir eine besondere Herausforderung. 23 junge Hamburgerinnen hatten sich um die Rolle der Kirschblütenprinzessin beworben, fünf Kandidatinnen präsentierten sich schließlich im Rahmen des diesjährigen Kirschblütenfestes im Mai 2003 im Steigenberger Hotel der Jury und dem Publikum. Eine Entscheidung zu fällen, war sicherlich nicht einfach - schließlich erfüllten alle fünf Frauen die Vorraussetzungen, die dieses Amt verlangt: Interesse und Wissen über die japanischen Kultur, Kenntnisse über die Heimatstadt Hamburg und Offenheit und Neugier gegenüber Unbekanntem.

 

Um so mehr freue ich mich, dass nun ich diese Herausforderung annehmen durfte und zwei spannende Jahre auf mich warten. Schon jetzt -rund ein Vierteljahr nach der Wahl- erkenne ich, welche Möglichkeiten mir dieses Amt bietet. Highlight wird sicherlich meine erneute Reise im Frühjahr 2004 nach Japan. Aber auch schon jetzt schätze ich meine neu gewonnen Kontakte zu meinen Ansprechpartnern bei den beteiligten Institutionen, wie die Deutsch-Japanische Gesellschaft zu Hamburg, die Behörde für Wirtschaft und Arbeit, die Hamburgische Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und das japanische Generalkonsulat sowie meine unterschiedlichen Repräsentations-Aufgaben. Ich möchte mich schon heute für das in mich gesetzte Vertrauen bedanken und freue mich sehr auf meine zweijährige Amtzeit.