Verabschiedung der 27. Hamburger Kirschblütenprinzessin im Rathaus vor der Reise nach Japan (2012) NDR Fernsehen

Verabschiedung der Kirschblütenprinzessin im Rathaus vor der Reise nach Japan

Prinzessin als Popstar (2010) Hamburger Abendblatt

Prinzessin als Popstar

Einmal im Jahr, da flippen die Japaner so richtig aus. Sonst ruhig, bedacht und um's Ansehen bemüht, feiert der Asiate im Frühling Emotionskarneval - wenn die Kirschblüte aufbricht.
Dann lagern Familien und Freunde unter den zartrosafarbenen üppigen Blüten, trinken massenweise Sake, springen (mehr oder weniger vollständig bekleidet) ausgelassen über die Wiesen Tokios und Osakas. Das hat Annika Schulze, die amtierende Hamburger Kirschblütenprinzessin, bei ihrem Antrittsbesuch Ende März dieses Jahres in Japan allerdings nicht miterleben dürfen. „Es war viel zu kalt für die Jahreszeit, deshalb blühten die Bäume leider noch nicht“, so Schulze.

Die Kirschblüte bedeutet den Japanern extrem viel, sie wird gefeiert, verehrt, steht für Aufbruch, Schönheit, ebenfalls für Vergänglichkeit. Die deutsche Kirschblütenprinzessin avancierte deshalb dort sofort zum Star, die norddeutsche Architekturstudentin wurde hofiert, schlief in Nobelhotels, speiste mit den Würdenträgern, bekam eine Dolmetscherin zur Seite gestellt. Eine Woche lang hielt sie Reden, überreichte Präsente Hamburgs (wie Manschettenknöpfe, Dosen, Tischuhren mit Hamburger Wappen), überbrachte Grußworte. Eine Diplomatin mit Hamburg im Herzen. „Extrem beeindruckend war mein Treffen mit Tadao Ando, dem japanischen Stararchitekten“, so Schulze. Ihn lernte sie bei der Einweihung der Kirschbaum-Allee in Hamburgs Partnerstadt Osaka kennen.Dort, wo massenhaft Fernsehteams und Medienvertreter aufliefen, ihr Menschenmassen zujubelten. „Ja, dann winke ich auch wie eine Prinzessin“, sagte sie lachend. Wenn sie auf das vergangene Jahr zurückblickt und Bilanz der ersten Hälfte ihrer Amtszeit zieht, so überwiegen –natürlich – positive Eindrücke und persönliche Veränderungen. „Ich bin nicht mehr so schüchtern. Man wächst mit der Aufgabe, man traut sich einiges zu.“

Im Mai 2011 wird dann mit dem bekannten Riesenfeuerwerk ihre Nachfolgerin bei der Deutsch-Japanischen Gesellschaft gewählt werden. Ein wenig Wehmut schleicht sich in die Stimme der 24-Jährigen, wenn sie über den Abschied vom Amt spricht. „Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dort zu arbeiten oder an der Uni meinen Doktor zu machen.“ Denn Japan, dieses Land, wird immer ihre Leidenschaft bleiben.

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Kirschblütenprinzessin Annika - Das Feuerwerk war die Krönung (2009) Hamburger Abendblatt

Kirschblütenprinzessin Annika - Das Feuerwerk war die Krönung

Für Siegerin Annika Schulze heißt es nun "Nippon e yokoso! - Herzlich willkommen in Japan!" Die Städtebau-Studentin aus Langenhorn ist die Nachfolgerin der 25. Hamburger Kirschblütenprinzessin Simona-Marysol Lerch (25). Mit Wissen, Witz und Ehrlichkeit konnte sich die 23-Jährige gegen die vier anderen Anwärterinnen auf das beliebte Amt durchsetzen.

Zuvor mussten sich die fünf Finalistinnen den zum Teil schwierigen Fragen der Jury stellen. Die Jurymitglieder: Finanzsenator Michael Freytag (CDU), Seisuke Narumiya (japanischer Generalkonsul), Horst Blume (Präsident der Deutsch-Japanischen Gesellschaft zu Hamburg), die amtierende Kirschblütenkönigin Japans, Megumi Yoshida (21), und Lufthansa-Vertriebsdirektor Karsten Zang.

Masterstudentin Annika, die bereits einen Bachelor-Abschluss in Architektur in der Tasche hat, ließ sich weder durch die prominenten Jurymitglieder noch durch provozierende Fragen aus der Ruhe bringen und brachte die 120 Gäste oft zum Lachen. Etwa als sie auf die Frage, was sie gerne von Japans Premierminister wissen würde, antwortete: "Ich glaube, so wichtige Persönlichkeiten wie Premierminister sind auch nur Menschen, irgendwie. Ich würde ihn einfach fragen, welche Musik er gerne hört, denn ich liebe Musik, und darüber kann man immer gut sprechen."

Annika Schulze wird Brücken schlagen, da ist sich die Jury sicher. Auch fachlich überzeugte Annika Schulze, referierte über die Bauhaus-Architektur und verriet, dass Tadao Ando ihr japanischer Lieblingsarchitekt sei, dessen Baustil sie zum Studium der Architektur inspiriert habe.

Alle fünf Bewerberinnen haben ihr Bestes gegeben, denn das Amt als Sonderbotschafterin für Hamburg in Japan ist eine Auszeichnung und gilt als Türöffner ins Land der aufgehenden Sonne. Obwohl auch die vier anderen Bewerberinnen schlagfertige Antworten und charmante Vorschläge hatten, überzeugte Annika Schulze mit ihrer ehrlichen Art.

"Dass ich Kirschblütenprinzessin werden würde, hätte ich nicht gedacht. Ich hätte mich nie beworben, wenn Marco Büscher von der Deutsch-Japanischen Gesellschaft mich nicht auf die Idee gebracht hätte", sagte die hübsche Hamburgerin direkt nach ihrer Krönung zur 26. Hamburger Kirschblütenprinzessin. Sie habe sich bei der Deutsch-Japanischen Gesellschaft nur angemeldet, weil sie sich auf ihr Auslandssemester in Japan vorbereiten wollte, so Schulze.

Hamburgs 25. Kirschblütenprinzessin Simona-Marysol Lerch sagte: "Vor dir liegt eine tolle Zeit. Bei meinem Besuch in Japan vor einem Jahr kam ich mir manchmal wie ein Popstar vor." Als Sonderbotschafterin wird Annika Schulze auf ihrer Amtsantrittsreise im März 2010 voraussichtlich Japans Premierminister Taro Aso und Osakas Bürgermeister Kunio Hiramatsu besuchen. Gesponsert wird ihr Flug dorthin von der Lufthansa.

Aber auch in diesem Jahr hat die neue Prinzessin schon ein volles Programm. Zum Amtsantritt wird Annika Schulze ins Rathaus eingeladen. Finanzsenator Michael Freytag (CDU) kennt sie ja bereits. "Die Wahl der Kirschblütenprinzessin ist eines der schönsten Termine als Senator", sagte Freytag, der schon zum zweiten Mal Jurymitglied war.

(Quelle: Hamburger Abendblatt, 25. Mai 2009)


Eine dieser fünf Frauen wird Kirschblütenprinzessin (2009) Hamburger Abendblatt

Eine dieser fünf Frauen wird Kirschblütenprinzessin

Für Maria Hennlein (23), Joke Trechow (27), Annika Schulze (23), Keiko Tominaga (27) und ... geht das Zittern weiter.

Die fünf Finalistinnen um das Amt als Hamburgs neue Kirschblütenprinzessin: Maria Hennlein (v..l.), Joke Trechow, Annika Schulze, Keiko Tominaga, Elina Bergert.
Die fünf Finalistinnen um das Amt als Hamburgs neue Kirschblütenprinzessin: Maria Hennlein (v..l.), Joke Trechow, Annika Schulze, Keiko Tominaga und ...

Diese fünf jungen Frauen kämpfen nun um das Amt der Hamburger Kirschblütenprinzessin. Am Mittwochabend wurden die letzten vier Finalistinnen von einer 15-köpfigen Jury gewählt. Nur Keiko Tominaga hatte ihren Finalplatz bereits sicher - durch ihren Sieg bei der Online-Abstimmung der Abendblatt-Leser. Sie hatte 931 von rund 4500 abgegebenen Stimmen erhalten. "Als ich davon erfuhr, bin ich fast vom Stuhl gekippt", sagte Keiko Tominaga, nachdem sie japanischen Geschäftsleuten, Diplomaten und Politikern bei einem Empfang der Deutsch-Japanischen-Gesellschaft im Plenarsaal der Handelskammer vorgestellt worden war.

Jetzt müssen sich die Finalistinnen noch etwas in Geduld üben. Die endgültige Entscheidung wer die Nachfolgerin der amtierenden Prinzessin Simone-Marysol Lerch (27) wird, fällt am 23. Mai im Hotel Intercontinental - einen Tag nach dem traditionellen Kirschblütenfest.

(Quelle: Hamburger Abendblatt, 7. Mai 2009)


Wir wollen Hamburgs neue Kirschblütenprinzessin werden (2009) Hamburger Abendblatt

Wir wollen Hamburgs neue Kirschblütenprinzessin werden

Bewerberinnen für die Wahl

Freuen sich schon jetzt auf Japan (v. l).: Kathrina Hildebrandt (28),Karina Mohammad (27), ... (26),
 Annika Schulze (23), Johanna Thuy-Tram Ngu (19)und Nicole Offergeld (21) trafen sich für ihr Gruppenfoto im Japanischen
Garten von Planten un Blomen.


Strahlen können sie alle. Und über Hamburg wissen sie auch ziemlich gut Bescheid. Einige von ihnen waren sogar schon mal in ihrem Traumland Japan. Jetzt will eine von ihnen unsere Stadt für ein Jahr als 26. Kirschblütenprinzessin vertreten.
Nach dem Aufruf im Hamburger Abendblatt haben sich elf junge Hamburgerinnen bei der Deutsch Japanischen Gesellschaft für das Ehrenamt beworben. Sieben trafen sich gestern zum Fototermin im Japanischen Garten von Planten und Blomen.
Unter der Schirmherrschaft des japanischen Generalkonsuls und der Wirtschaftsbehörde präsentieren sich am 6. Mai alle elf bei der Vorauswahl für die letzten fünf Kandidatinnen in der Handelskammer.
Die Abendblatt-Leser können ab heute online abstimmen, wer sich als neue Kirschblütenprinzessin eignet. Dort stellen wir alle elf Kandidatinnen mit Foto und kurzem Steckbrief vor. Eine von ihnen kommt in die Endauswahl der letzten fünf, die am 23. Mai, einen Tag nach dem Kirschblütenfest, zur neuen Kirschblütenprinzessin gekürt wird. Die Krönung findet im Hotel Intercontinental statt.

Alle Bilder und die Abstimmung finden Sie unter http://www.abendblatt.de/prinzessin

(Quelle: Hamburger Abendblatt, 29. April 2009)

Der Artikel des Hamburger Abendblattes als Onlineversion (Aus dem Internet) in digitaler Form:
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Kirschblütenwahl Aufruf (2009) NDR Fernsehen

NDR Beitrag zum Bewerbungsaufruf für die Wahl 2009

Wer will Hamburgs neue Kirschblütenprinzessin werden? (2009) Hamburger Abendblatt

Wer will Hamburgs neue Kirschblütenprinzessin werden?

Die Kirschblütenprinzessin unter der Kirschblüte

"Bei meinem Besuch in Japan vor einem Jahr kam ich mir manchmal wie ein Popstar vor. Menschen auf der Straße, die mein Krönchen sahen, haben mir zugewinkt, und bei allen offiziellen Anlässen wurde ein riesiger Wirbel um mich gemacht", erzählt Simona-Marysol Lerch (27), Personalreferentin bei einem Hamburger Unternehmen aus Barmbek, noch immer ganz beeindruckt von ihrem Jahr als Hamburgs Kirschblütenprinzessin. In dieser Zeit als Sonderbotschafterin war sie auf mehr als 50 offiziellen Terminen in Hamburg und auch einige Tage in Japan unterwegs. "Die aufregendsten waren natürlich beim japanischen Premierminister, beim Hamburger Bürgermeister und auch die Begrüßung eines japanischen Kreuzfahrtschiffes im Hamburger Hafen. Aber vor allem habe ich in dieser Zeit viele interessante Kontakte geknüpft und habe auch privat mein Herz für Japan entdeckt", erzählt Simona-Marysol Lerch.

Nun geht ihr Jahr als Kirschblütenprinzessin zu Ende, die Deutsch-Japanische Gesellschaft (www.DJG-Hamburg.de) sucht ihre Nachfolgerin. Und auch für diese heißt es dann "Nippon e yokoso! - Herzlich willkommen in Japan!" Denn das Amt als Sonderbotschafterin für Hamburg in Japan ist eine Auszeichnung und gilt als Türöffner ins Land der aufgehenden Sonne. Einen Tag nach dem traditionellen Kirschblütenfest am 22. Mai an der Außenalster soll Hamburgs 26. Kirschblütenprinzessin als Nachfolgerin von Simona-Marysol Lerch im Hotel Intercontinental gekürt werden.

Das Hamburger Abendblatt ruft seine Leserinnen auf, sich für das Ehrenamt, das auch einen Besuch beim japanischen Premierminister beinhaltet, zu bewerben. Die Bewerberinnen sollten zwischen 19 und 27 Jahren alt sein, ihren Lebensmittelpunkt in Hamburg haben, Englisch sprechen und eine gute Allgemeinbildung haben. Japanisch muss die Bewerberin nicht können. Die besten zehn, eine von ihnen dürfen die Abendblatt-Leser online per Klick auswählen, werden am 6. Mai um 18.30 Uhr einer zehnköpfigen Jury aus Hamburger und japanischen Wirtschaftsleuten, Diplomaten und Politikern im Plenarsaal der Handelskammer vorgestellt. Unter ihnen werden dann die letzten fünf gewählt, von denen schließlich eine am 23. Mai Hamburgs neue Sonderbotschafterin für Japan wird. Interessentinnen schicken bis zum 30. April ihr Foto mit einer Kurzbewerbung an: Deutsch Japanische Gesellschaft zu Hamburg, Frau Christina Claußen, Sonninstraße 28, 20097 Hamburg.

(Quelle: Hamburger Abendblatt, 20. April 2009)
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Diplomatie in voller Pracht (2006) Geo Magazin

Diplomatie in voller Pracht

Geo Cover

Zur Kirschblüte befindet sich Japan im Rausch - die Natur wie der Mensch.
Alle zwei Jahre entsendet die Stadt Hamburg genau dann eine deutsche Kirschblütenprinzessin zu
einem Marathon durch das höchst offizielle Japan. Ein GEO-Team durfte an ihrer Seite sein

Erstes Bild
Eher rosa-weiß- als blaublütig: die Hamburger Prinzessin im Kreis ihrer japanischen Kolleginnen

Donnerstag , 15.30 Uhr

Zur Verabschiedung einer Prinzessin ausnahmsweise kein Pomp. Kein Fähnchenschwenken, kein Winken vom Balkon. Nur ein Dutzend Menschen, die im Rathaus auf eine junge deutsche Frau im Kimono blicken. Knapp eine Stunde hat es gedauert, bis ihr eine Helferin das Gewand angelegt hatte und auch äußerlich aus der Japanologie-Studentin Inger Maleen Bachmann die 24. Hamburger Kirschblütenprinzessin geworden war. Dabei hatte sie sich lediglich um ein Praktikum bei der Deutsch-Japanischen Gesellschaft bewerben wollen, war dort aber gleich gefragt worden: Möchten Sie nicht auch als Kirschblütenprinzessin kandidieren? Zwei Jahre lang als Sonderbotschafterin die Stadt Hamburg repräsentieren und einmal, zur Kirschblüte, nach Japan reisen, Grußbotschaften an Bürgermeister überbringen, Wirtschaftsführer treffen und Zentralen der etwa 100 in Hamburg ansässigen japanischen Firmen besuchen, möchten Sie das? Ja, das möchte sie gern, hatte die 22-Jährige geantwortet und sich kurze Zeit später in drei Wahlgängen gegen 25 Mitbewerberinnen durchgesetzt. In wenigen Tagen wird nun ihre zweiwöchige Reise nach Japan beginnen. Der Kimono bleibt allerdings zu Hause; wie die viel zu kleinen Zehensandalen, über die ihre Fersen ragen. "Drüben werde ich mich eher westlich geben", sagt die Prinzessin. Dienstkleidung sind Kleid und Krone.

Dienstag, 7.30 Uhr

Ankunft der Prinzessin in Tokio. Statt blühender Kirschbäume stehen zunächst nur Hochhäuser Spalier.

Mittwoch , 9 Uhr


Tadelloses Aussehen ist für eine Prinzessin Pflicht. Jeden Morgen führt der Weg daher zunächst in den Frisiersalon des exklusiven Hotels "New Otani", wo das Haar erst zur Einstein-Frisur toupiert und anschließend kunstvoll hochgesteckt wird. Am ersten Tag sitzt neben der Prinzessin zufällig die japanische Kirschblütenkönigin. Die Hoheiten erkennen sich an ihren auf den Frauenzeitschriften abgelegten Kronen.

Mittwoch, 11 Uhr

Der erste Auftritt mit Kleid und Krone. Treffen der Kirschblütenvereinigung, das hatte irgendwie nach Fest geklungen. Nach Gesang unter Bäumen und fröhlichen Männern, die ihre Krawatten zunächst um den Hals und nachher wie ein Stirnband tragen. Nun aber sitzen 600 vorwiegend ältere, dunkel gekleidete Menschen in einem großen Saal und blicken mit der Heiterkeit von Kriegsveteranen auf die Bühne. Da wird endgültig klar: Die Kirschblüte, Japans Symbol für Anmut und Vergänglichkeit, auf zahllosen CDs besungen, auf T-Shirts gedruckt, als Videospiel käuflich, ist eine ernste Sache. Auf der Bühne sitzt die Prinzessin neben den japanischen Kirschblütenköniginnen und verneigt sich reflexartig, als der Vorsitzende der einflussreichen "Cherry Blossom Association" (CBA) unvermittelt den Namen "Inger Maleen Bachmann-san" sagt. Eine Million Kirschbäume will die CBA innerhalb von zehn Jahren in Japan pflanzen - und fängt damit eine Stunde später auf einem kleinen Rasenstück an. Umringt von einer gewaltigen Traube Fotografen gibt die beeindruckte deutsche Prinzessin mit einem Spaten Erde an eine junge Kirsche, die etwas verloren vor einer Reihe Palmen steht.
Bild2
Man muss kein Visionär sein, um in Japan blühende Landschaften zu sehen:
Allein in Tokio stehen rund 140 000 Kirschbäume, von denen jeder im Frühjahr etwa 350 000 Blüten trägt.

Mittwoch, 12.20 Uhr

Am Buffet gibt’s Maki-Röllchen und frittiertes Gemüse. Hin und wieder verneigt sich die Prinzessin vor einem der Gäste, die sie um einen Kopf überragt, und signiert einen Sake-Becher. Einer ist für den Schneider des Kimonos, den sie bei offiziellen Terminen in Hamburg trägt. "Oh, viel Stoff", erinnert sich der kleine Herr und schaut lächelnd an der Prinzessin hinauf. "Viel Stoff!"

Mittwoch, 17 Uhr


Ne in, ein Termin beim Premierminister ist keine Selbstverständlichkeit, selbst deutsche Minister erhalten Absagen. Für Kirschblütenadel findet Junichiro Koizumi jedoch immer Zeit. Der Delegation schließt sich daher gleich noch der Kulturbeauftragte der Deutschen Botschaft an. Das Empfangszimmer liegt im ersten Stock einer imposanten Residenz aus Holz und Glas. Warten vor einem Halbkreis blütenfarbener Sessel. Die Prinzessin ist nervös und nestelt an ihrer roten Schärpe. Dann tritt der Premier ein. Grauer Anzug, energischer Schritt, wogende Frisur. Ein fester Händedruck für jeden, dann erhält der Premierminister eine Klassik-CD und einen Silberbecher mit Hamburg-Wappen. "Oh", sagt Herr Koizumi mit tiefer Stimme und liest: "Mozart-o!". Gern höre er auch Bach, sagt er, und wendet sich an die deutsche Prinzessin. "Und Sie heißen: Bach-mann!" Da schmunzelt er und lässt sich so beschwingt in den Sessel fallen, dass er für eine Sekunde hintenüber zu kippen scheint. Die Türen schließen sich. Über den Inhalt des Gesprächs wird Stillschweigen vereinbart. Dennoch dringt später die Frage des Premierministers nach außen, ob auch in Deutschland Kirschblüten nachts angestrahlt würden. Die Prinzessin verneinte dies, hält es aber für eine gute Idee.

Mittwoch, 17.12 Uhr

Gerade haben sich die Türen wieder geöffnet, da ist die Prinzessin umringt von Fotografen und Fernsehteams. Zunächst stutzt sie etwas, gibt dann aber ganz staatsmännisch Statements ab: "Yes, he was friendly", sagt sie mit einem souveränen Blick in die Kameras. "Very open." In der Zwischenzeit geht der Chef der japanischen Postbank, des größten Finanzinstituts der Welt, an der Presse vorüber zum Premier. Aber nur ein Kameramann schwenkt ihm etwas lustlos hinterher.

Donnerstag, 10.30 Uhr


An der Hotelrezeption liegen Zeitungen aus. Mit ihrem Besuch beim Premierminister hat es die Kirschblütenprinzessin in verschiedene überregionale Ausgaben geschafft. Mit Foto. Lediglich der Kulturbeauftragte der Botschaft wurde abgeschnitten.
Bild 3
Say cheeeerry!": Der Präsident des Unterhauses bei
 angenehmer Gartenarbeit in seiner Residenz

Donnerstag, 11.30 Uhr

Die Freunde Deutschlands treffen sich in einem fensterlosen Hotelraum. Der Präsident der "Japan-Germany Parliamentary Friendship Group", Toshiki Kaifu, ist ehemaliger Premierminister und hat wie zum Beleg seiner Deutschland- Erfahrung Farbkopien von Fotos mitgebracht. Er mit Berlins Ex-Bürgermeister Walter Momper an der Mauer, er bei einer Rede vor dem Bundestag. In offensichtlicher Wertschätzung für Richard von Weizsäcker hat Herr Kaifu den früheren Bundespräsidenten gleich mehrere Bilder signieren lassen - auch ein Foto, das nur Eberhard Diepgen zeigt. Innerhalb der nächsten 45 Minuten werden von den anwesenden 16 Personen 14 eine Rede halten. Zunächst die Kirschblütenprinzessin, dann der Gesandte der Deutschen Botschaft, ein großer Mann mit goldener Brille. "Ich bin heute ganz erfüllt von Kirschblüten", fängt dieser an und schließt mit dem Versprechen, seine rosafarbene Krawatte erst abzulegen, wenn die letzte Kirschblüte auf Hokkaido verwelkt sei. Applaus. Das Mikrofon wird herumgereicht. Minister Kosaka berichtet von einem lang zurückliegenden Praktikum in Marburg, eine Abgeordnete von ihren guten Erfahrungen mit deutschen Autobahnen, eine weitere vom japanischen Direktor eines deutschen Stahlwerks, der an Kehlkopfkrebs erkrankte und dennoch weiter arbeiten durfte, während er in der Heimat hätte freiwillig den Betrieb verlassen müssen. Dann gibt’s Tempura aus der Lunchbox.

Donnerstag, 14 Uhr

Zwar spricht er nur Japanisch, dennoch führt der Vorsitzende von Miki- moto selbst durch die Hauptfiliale im vornehmen Einkaufsviertel Ginza. Perlenschmuck auf mehreren Etagen, die Einzelstücke nicht selten mehrere 100 000 Euro teuer. Es ist gut, dass der Besuch beim Sponsor der mit elf Perlen verzierten Kronen am Anfang des Aufenthalts liegt: Am Ende der Reise wird die Prinzessin noch einmal ihre Kolleginnen treffen, bei denen sich Terminfülle und Arbeitseifer an der Anzahl abgefallener Perlen erkennen lassen.

Bild 4
Heute ein König: Premierminister Koizumi umrahmt
 von deutschjapanischem Kirschblütenadel

Donnerstag, 14.43 Uhr

Kaum tritt die Prinzessin aus dem Geschäft auf die Straße, heben Passanten ihre Mobiltelefone - Fotoshooting. Die Prinzessin lächelt leicht verunsichert, aber erfreut.

Freitag, 8 Uhr

Die Prinzessin ist im Fernsehen. Fünf Minuten dauert ihr Interview auf Nippon TV, das am Abend vorher im Chidorigafuchi- Graben am Kaiserpalast aufgezeichnet wurde. Zum Fest der sakura no hana sind die Grünanlagen dort besonders beliebt. Wenn sich ein rosafarbenes Dach aus Blüten über die Wege spannt, schicken Firmen schon am Morgen ihre jüngsten Mitarbeiter los, um mit Kartons und blauen Planen Plätze für den Betriebsausflug am Abend zu reservieren. Dass es tagsüber eher den Anschein hat, als würde Tokios Müllabfuhr streiken, stört niemanden.

Freitag, 19 Uhr

Das S chaubi ld der Wettervorhersage im TV zeigt, dass die Kirschblüte an diesem Wochenende in Tokio ihren Höhepunkt erreichen wird.

Freitag , 19.30 Uhr

Der Gesandte der Deutschen Botschaft hält Wort und trägt auch zum Abschlussfest des "Deutschlandjahrs in Japan" beharrlich seine Kirschblüten-Krawatte. Das Protokoll sieht für die Prinzessin zwei Einsätze vor ("20.15 h: bringt Herrn Saburo Kawabuchi ein Glas Sekt"; "gegen 22.15 h: zieht Los"). Dazwischen steht sie etwas verlegen am Fenster, schaut aus Tokios höchstem Wolkenkratzer auf die leuchtende Stadt und bestätigt hin und wieder japanischen Verehrern, dass auch in Deutschland bald die Kirschbäume blühen werden.

Samstag, 9 Uhr

Am freien Tag hinaus zur Kirschblüte nach Kamakura. Inkognito in Jeans und Blazer besucht die Prinzessin Tempelanlagen und einen begehbaren Bronze- Buddha und lässt sich auf der Rückfahrt in einen hoffnungslos überfüllen Vorortszug pressen. Am Nachmittag besucht sie Tokios bekanntesten Manga-Shop. Zum Karaokesingen kommt sie nicht, weil die kleine Bühne des Geschäfts stundenlang von einem jungen Mann blockiert wird, dem die Haare vom Kopf stehen, als wären sie statisch aufgeladen.

Montag , 8.50 Uhr

E in S - Bahnhof in einem Vorort Tokios. Vor einem mit Absperrband umwickel- ten Pfeiler steht eine kleine Dame mit Helm, die unermüdlich "Vorsicht, Pfeiler!" ruft. Die Prinzessin schreitet weiträumig ums Hindernis herum, stößt sich allerdings im wartenden Bus die Krone.

Montag, 9 Uhr

Wie in tausenden F irmen des Landes beginnt auch bei Jamco, einem Zulieferer des Hamburger Airbus-Werkes, heute der Arbeitstag mit einem nyushashiki. Zehn Hochschulabsolventen stellen sich bei der diesjährigen Eintrittszeremonie den Managern vor, die wie Geschworene in der Ecke des Raumes sitzen. Aufstehen, verbeugen, Universität und Abschluss nennen, Einsatz für die Firma geloben, setzen. Die Prinzessin wünscht alles Gute fürs Berufsleben und wird dann durch den Betrieb geführt. Tee gibt es vor einer Weltkarte mit Japan im Zentrum. Ein Mann im weißen Overall erzählt von seinem Montage-Einsatz bei Airbus in Hamburg-Finkenwerder. Doch, allen Jamco-Mitarbeitern habe es in Hamburg gefallen. Auch dem Kollegen, der sich in einem Supermarkt statt Zahnpasta versehentlich Haftcreme gekauft hat und sich anschließend beim Putzen fragte: "Warum ist das Zeug so klebrig?" Zum Mittagessen bittet das Jamco- Management in ein Restaurant, das zum ältesten Tempel Tokios gehört. Zwar mag die Kirschblütenprinzessin eigentlich keinen rohen Fisch. "But Sushi", sagt sie, "is okay."

Montag, 14.20 Uhr

Rückkehr zum S-Bahnhof. Der abgesperrte Pfeiler steht unverändert im Weg, nur die Dame mit Helm hat Dienstschluss.

Dienstag, 14 Uhr

Die Emp fangsdame von Kanebo Cosmetics lächelt mit einem makellos geschminkten Puppengesicht und bittet in einen kleinen Raum mit Blick auf den Tokio-Tower. Einige Minuten später treten zwei entzückt wirkende Manager ein, denen beim Wort "Hamburg" einfällt, dass dort der Fußballer Naohiro Takahara spielt. Dass er beim HSV aber offenbar unter falschem Namen als "Sushi-Bomber" aufläuft, erfahren sie erst von der Prinzessin. Nachdem das Thema Sport abgehakt ist, geht es um Politik, den Premierminister- Besuch und Anti-Aging- Cremes. 15 Minuten später erheben sich alle zur Abschlussverbeugung.

Sonntag

Der letzte Tag in Japan . Hinter der Prinzessin liegen 21 Termine. Sie hat 15 Grußbotschaften überbracht, drei Firmen, einen Radiosender und eine Universität besucht und ist vor Tausenden Besuchern und 4500 blühenden Kirschbäumen auf dem "Sakura Festival" aufgetreten. Etwas erschöpft dreht sie sich nun die Krone aus dem Haar, als besitze sie ein Gewinde. Feierabend.


Hamburgs Prinzessin bei Japans Premierminister (2002) Hambuger Abendblatt

Hamburgs Prinzessin bei Japans Premierminister

Bild Koizumi


"ich bin stolz und glücklich,dass ich im nächsten Jahr nach Japan reisen darf, um als Sonderbotschafterin die Hansestadt zu repräsentieren", hatte Sie im vergangenen Mai bei ihrer Wahl zur Kirschblütenprinzessin gesagt. Gestern war es soweit: Annemarie Mezei, 27 Jahre alte Studentin der Japanologie aus Hamburg, schütelte Japans Premierminister Junichiro Koizumi in seinem Regierungssitz in Tokio die Hand. Zusammen mit der japanischen Kirschblütenprinzessin Reiko Asano durfte Sie dem Regierungsoberhaupt einen Besuch abstatten.
Annemarie Mezei ist die 22. Hamburger Kirschblütenprinzessin und bleibt bis zum Mai 2003 im Amt. Bei der Wahl geht es nicht allein um Grazie: mit ihrer Liebe zur japanischen Kultur und ihren Ambitionen, den Kultur-Austausch zwischen Japan und Hamburg weiter voranzubringen, hatte Annemarie Mezei im vergangenen Jahr die rund 120 Gäste der Deutsch-Japanischen Gesellschaft im Festsaal des Hotels Inter Continental überzeugt und sich gegen drei weitere Kandidatinnen durchgesetzt.

(Quelle: Hamburger Abendblatt, 5. April 2002)